Weltkulturerbe und Denkmalschutz
Die Aufgabe bestand darin, den 600 Meter langen Koksofen der Zeche Zollverein vor der Witterung zu schützen und die weiteren Korrosion der Aufbauten zu verhindern.
Für die Besucher wird klar, dass es sich bei dem neuen Schutzdach um eine nachträgliche Hinzufügung ans Schuppsche Werk handelt, welches sich in luftiger Höhe wie eine schützende Hand über den Koksofen legt. Die Dachauskragung schützt die Steigrohre, die Vorlage und die Fronten der Öfen. Die Fackeln durchdringen das Dach und bleiben in ihrer prägenden Wirkung erhalten. Einst fuhr der Füllwagen über die Ofendecke und befüllte die dauerbrennenden Ofenbatterien. Zeuge davon sind die noch vorhandenen Schienen. Das Schutzdach nimmt diese zwei Achsen mit seinen Stützen auf und leitet den Blick entlang der früher befahrenen Strecke auf dem Ofendach.
Das Dach tritt nicht in Konkurrenz zur mächtigen Baumasse des Ofens. Die minimalinvasive Konstruktion berührt den Bestand nur an wenigen Punkten, steht völlig autonom auf der Decke und ist jederzeit rückbaubar. Die Feuerverzinkung erzeugt eine helle Dachuntersicht mit einer diffusen Spiegelung. Diese Spiegelung reflektiert die Materialität und Farbigkeit des Bestands, der ganzen Ofendecke mit ihren Luken und Leitungen. Nach dem Grundsatz von Georg Dehio “konservieren – nicht restaurieren” dient das Schutzdach der Konservierung der Authentizität des Industriekomplexes.
Das Schutzdach Koksofenbatterie entwickelt seine Konstruktion aus den Gegebenheiten der bestehenden großen Maschine heraus. Der Substanzerhalt, die Dauerhaftigkeit und die Reversibilität bilden dabei die Grundpfeiler des Konzepts. Der symmetrische Aufbau der 600 Meter langen Anlage und der inhärente systemische Arbeitsablauf während des Betriebs des Koksofens prägen das Konzept des Schutzdachs.
Das Dach besteht aus wenigen Elementen. Dem Leiterrahmen, von welchem die Entwässerungsprofile abgehängt sind, den rollverformten Profilen welche die Dachscheibe bilden. Das Dach ruht mit seinen Stützen auf den vorhandenen Schienen der Füllwagen. Dies sind die einzigen Berührungspunkte zwischen Dach und Ofenbaukörper. Die verzinkte, helle Dachplatte schwebt über der Ofendecke, schützt die Decke, die Rohre und die geparkten Füllwagen. Sie definiert den Raum auf dem Ofen neu, lenkt die Blicke in die Weite und schafft einen regensicheren Ort unter seinem Dach.
Das Schutzdach führt seinen Dialog mit dem Bestand im Großen wie im Kleinen. Großmaßstäblich wechseln sich zwei Typen von Dachelementen entlang der ganzen Kokerei ab. Die geschlossenen, opaken Dachfelder über den Ofenbatterien und die Elemente mit den Verglasungsstreifen über den Brücken und im Anschluß an die Kohlentürme. Dies ergibt eine Rhythmisierung der Südansicht, der die großmaßstäbliche Gliederung nachbildet. Kleinmaßstäblich nehmen die schmalen, dicht gefügten Stahlprofile, sogenannte Omega-Profile, exakt das Rastermaß von 1,35 Metern der einzelnen Koksöfen auf und bilden in der Taktung des Bestands die Dachscheibe.
Das konstruktive Prinzip den Tragrost auf der Oberseite der Dachhaut anzuordnen, ermöglicht die ruhige, glatte Untersicht, ohne dass hier konstruktive Elemente in Konkurrenz zu den stählernen Aufbauten, den Maschinen und den Rohrleitungen treten. Die matt glänzende, glatte Untersicht verleiht dem neuen Dach den Ausdruck von Leichtigkeit. Die trogförmigen Profile vereinen Tragwerk und Dachhaut in einem Element. Die gesamte Konstruktion ist in viele leichte Stahlbauteile aufgeteilt, welche mittels eines Autokrans auf den Ofen gehoben und untereinander verschraubt werden.
Auslober*in: Stiftung Zollverein
Auszeichnung: 2. Preis
Tragwerksplanung: Kayser+Böttges, Ingenieure und Architekten GmbH
Visualisierungen: Nora Walter Images








